Michael Klüter

 

Aus dem Geschäftsbericht 2000 des
westfälisch-lippischen Sparkassen- und Giroverbandes

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" ... diese Maxime von Erich Kästner hat Michael Klüter für sich umgesetzt. Er hat eine besondere Beziehung zu Afrika: "Wenn wir etwas für Afrika tun wollen, dann müssen wir uns um die Themen Gesundheit und Bildung kümmern. Kurzfristige Gewissensberuhigung durch Katastrophenhilfe reicht nicht aus. Ich möchte dazu beitragen, die Lebensbedingungen dauerhaft zu verbessern", meint der 46jährige Abteilungsdirektor Recht der Stadtsparkasse Witten. Deshalb engagiert er sich in seiner Freizeit als Vorstandvorsitzender bei der "Aktion Canchanabury". Die Hilfsorganisation hat sich zum Ziel gesetzt, mit ihren Projekten in Afrika und Indien die Gesundheitsversorgung der Menschen nachhaltig und langfristig zu verbessern. Michael Klüter hatte schon in seiner Jugend Spaß daran, Verantwortung zu übernehmen: "Meine Erfahrungen in den Sommerlagern und Gremien der Pfadfinderschaft St. Georg haben mich sehr geprägt und mir auch im Arbeitsleben geholfen." Sich verantwortlich fühlen - das zeichnet seiner Ansicht nach auch die Sparkassen aus: "Für mich steht der öffentliche Auftrag der Sparkassen immer im Vordergrund. Deshalb kann ich mich sehr gut mit der "Standort: hier"-Initiative identifizieren, denn sie spiegelt unser Selbstverständnis wider als verantwortungsvolles Unternehmen in der Region."

Eine Rechtsdatenbank für alle Fälle

Nach seinem Jurastudium in Bochum bewarb sich Michael Klüter 1983 in der Rechtsabteilung der Sparkasse Moers. Ein Freund hatte ihn auf das Stellenangebot in der Sparkassenzeitung aufmerksam gemacht. Zwei Jahre später zog es den gebürtigen Bochumer auch beruflich wieder ins Ruhrgebiet. Er wechselte als Rechtsreferent in das Vorstandssekretariat der Stadtsparkasse Witten. Seit 1992 ist er dort Leiter der Rechtsabteilung und auch Verhinderungsvertreter des Vorstands.Bei Problemen mit komplizierten Paragraphen wenden sich die Wittener Mitarbeiter an Michael Klüter: "Darf ich Ehegatten Auskunft über das Konto des anderes geben, wenn das Paar in Scheidung lebt?", ist nur ein Beispiel für Rechtsfragen, die der Abteilungsdirektor täglich beantwortet. Die häufigsten Fälle hat er in einer Datenbank gesammelt, die inzwischen von A wie AGB-Pfandrecht bis Z wie Zahlungsunfähigkeit reicht. "Seit die Kollegen im Intranet auf diese Rechtsdatenbank zugreifen können, hat sich die Zahl der Anrufe reduziert", betont Michael Klüter. Rechtsfragen sind auch sein Thema in der Aus- und Weiterbildung. Seit sechzehn Jahren erklärt er den Auszubildenden der Stadtsparkasse Witten im innerbetrieblichen Unterricht die wichtigsten Gesetzesregelungen für die tägliche Arbeit. Als nebenamtlicher Dozent der Sparkassenakademie hält er in Münster das Seminar "Rechtsprobleme bei Kontoführung und Zahlungsverkehr" für die interessierten Kolleginnen und Kollegen. Angehende Sparkassenbetriebswirte macht er in der Akademiezweigstelle Dortmund mit den "Grundlagen des Privatrechts" vertraut.

"Aktion Canchanabury" - Hilfe zur Selbsthilfe

Michael Klüter ist alles andere als ein Paragraphenreiter. Das zeigt sich auch in seinem privaten Engagement. Seit fünfzehn Jahren ist er Vorstandsmitglied bei der "Aktion Canchanabury", seit zehn Jahren ihr Vorstandsvorsitzender. Der Kontakt zur Hilfsorganisation hatte sich durch den Pfarrer seiner Heimatgemeinde ergeben. "Ich wusste zwar wenig über Entwicklungshilfe, aber es hat mich interessiert und deshalb habe ich eben zugesagt", erzählt Michael Klüter.

Die "Aktion Canchanabury" wurde 1961 von dem Bochumer Hans Reinhardt gegründet. Durch eine Rheumaerkrankung war er an den Rollstuhl gefesselt. Sein eigenes Leid brachte ihn dazu, Menschen zu helfen, denen es nach seiner Ansicht "noch dreckiger" ginge als ihm: den Leprakranken. Aus dieser Idee wurde eine Hilfsaktion, die heute in neun Ländern Afrikas und Indien 18 Projekte fördert. Die "Aktion Canchanabury" engagiert sich beispielsweise bei der Lepra- und Tuberkulosebekämpfung, beim Aufbau von Basisgesundheitsdiensten oder für Aids-Waisen-Projekte.

"Wir beteiligen uns nicht an Millionenvorhaben, sondern an überschaubaren Initiativen, die die Eigeninitiative der Menschen fördern", erläutert Michael Klüter. Ein Beispiel dafür ist Keur Massar, ein Zentrum für afrikanische Medizin im Senegal. Hier behandeln Guerisseurs (Heiler) die Patienten mit Medikamenten und Methoden der traditionellen Medizin. Die rein pflanzlichen Medikamente werden in der eigenen Apotheke hergestellt. Durch den Arzneiverkauf und ein geringes Entgelt für die Krankenbehandlung soll sich das Zentrum langfristig selbst finanzieren.

Michael Klüter besuchte 1994 zum ersten Mal den Senegal, um das Projekt in Keur Massar kennen zu lernen und "ein Gefühl für Afrika" zu bekommen. Für die Projektpartner im französisch geprägten Senegal war der hochgewachsene Weiße aus dem unvorstellbar reichen Deutschland der "Président monumental". Als er drei Jahre später durch Ghana und Togo reiste, fielen ihm in Ghana zwei kleine Jungen auf: "In einem Geschäft in Accra verfolgten sie gebannt vor dem Fernseher einen amerikanischen Serienkrimi ohne Ton. Wie soll man ihnen verübeln, wenn sie eines Tages zu Wirtschaftsflüchtlingen werden, weil ihnen per Satellit das Paradies vorgegaukelt wird?", fragt Michael Klüter.

Seine Projektpartner in Togo sind ihm aus der Jugendzeit besonders vertraut: die "Association Scoute du Togo", die togoischen Pfadfinder.

In rund 100 Dörfern Togos, die eine besonders hohe Erkrankungsrate an Malaria haben, informieren sie über die Krankheit und konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Erkrankungsfälle. "Afrikaner werden durch Katastrophenhilfe oft zu Almosenempfängern degradiert. Wie den Pfadfindern in Togo ist aber vielen bewusst, dass sie selbst aktiv werden müssen, um eine bessere Zukunft zu haben", betont Michael Klüter.

Vom Ruhrgebiet nach Afrika

Um solche Projekte unterstützen zu können, veranstalten die Mitglieder der "Aktion Canchanabury" im Ruhrgebiet Basare, sammeln Spenden in Pfarrgemeinden oder verkaufen Weihnachtsbäume. Die Stadtsparkasse Witten verschickte vor zwei Jahren 3.600 Weihnachtskarten an ihre Geschäftskunden, die die Hilfsorganisation in Entwicklungsländern herstellen lässt. Ingesamt hat die "Aktion Canchanabury" jedes Jahr rund eine Million Mark an Geld- und Sachspenden sowie Drittmittel für ihre Projekte zur Verfügung. Um Spendensammlungen, den Containerversand nach Afrika oder die Korrespondenz mit den Projektpartnern kümmern sich 160 ehrenamtliche Helfer. Für ihre effiziente Arbeit erhält die Hilfsorganisation jedes Jahr das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI).

Wenn neben der Arbeit in der Sparkasse und bei der "Aktion Canchanabury" noch Zeit bleibt, unternimmt Michael Klüter am liebsten lange Radtouren mit seiner Frau und seinen drei Kindern Stephanie (18 Jahre) Tobias (17 Jahre) und Katharina (10 Jahre). Oder man trifft ihn auf dem Kemnader Stausee beim Segeln. "Die Entwicklungshilfe wird auch zukünftig eine große Rolle in meinem Leben spielen. Ich finde, dass wir privilegierten Nordlichter verpflichtet sind, für einen solidarischen Ausgleich zu sorgen", meint der Abteilungsdirektor. Und die nächste Afrika-Reise kommt bestimmt. Michael Klüter weiß jetzt schon, was auf jeden Fall ins Reisegepäck gehört: Jede Menge Kugelschreiber, denn die sind in Afrika besonders begehrt.